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Dienstag, 15. November 2011
tipnews
Bitte Alter notieren: Jungvogelanteile geben wichtige Hinweise auf den Bruterfolg
Der Jungvogelanteil in Rastvogelansammlungen im Herbst und Winter gibt wichtige Hinweise auf den Bruterfolg im vergangenen Sommer. Dieser wiederum liefert – v.a. wenn die Angaben langfristig gesammelt werden – wichtige Informationen über die Ursachen von Bestandsveränderungen. Besonders bei Höcker-, Sing- und Zwergschwan lassen sich Alt- und Jungvögel anhand ihres Gefieders den gesamten Winter über eindeutig und oft ohne großen Zusatzaufwand unterscheiden. Wir möchten Sie daher bitten, so oft wie möglich eine Differenzierung vorzunehmen und unter den optionalen Angaben einzutragen (sowohl Adulte als auch Jungvögel!). Wenn möglich, sind wir auch über Angaben zum Rasthabitat dankbar, das Sie ebenfalls unter den optionalen Angaben eintragen können. Der Jungvogelanteil variiert erstaunlich stark zwischen unterschiedlichen Flächennutzungen, was bei den Auswertungen berücksichtigt werden kann.
Auch bei Blässgänsen lassen sich die Jungvögel noch bis weit in den Winter eindeutig von älteren Vögeln unterscheiden. Die Erfassung ist bei den großen Trupps jedoch meist mit etwas Geduld verbunden, weshalb es hierfür ein eigenes Erfassungsprogramm gibt. Altersangaben sind auch bei allen anderen Arten herzlich willkommen, z.B. bei den derzeit in erstaunlich großer Anzahl anwesenden Raufußbussarden, den Seeadlern uvm. Kurzum, differenzieren Sie, wenn möglich nach Alter, ebenso nach Geschlecht. Sie ermöglichen damit spannende wissenschaftliche Auswertungen. Die Schwäne sind dazu ein guter Einstieg und die Daten ein wichtiger Beitrag zum Vogelmonitoring. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Singschwan-Familie mit zwei Alt- und vier Jungvögeln (hinten rechts ein junger Höckerschwan). Foto: Axel Degen.
aufgegeben von Johannes Wahl
Montag, 7. November 2011
avinews
Kranichzug: Grandioses Schauspiel am sonnigen Herbsthimmel
Am vergangenen Samstag (5. Nov.) war im Nordwesten Deutschlands ein Spektakel am sonnigen Herbsthimmel zu erleben, wie es in diesen Ausmaßen wohl nur selten vorkommt: Sicherlich über 10.000 Kraniche hatten sich am frühen Morgen offenbar auf den Weg in ihre Winterquartiere im Südwesten Europas gemacht. Aus den großen Rastgebieten im Nordosten Deutschlands startend, erreichten die ersten Trupps Nordrhein-Westfalen etwa gegen 10:00 Uhr - nicht ungewöhnlich für dieses Jahreszeit. Was dann allerdings geschah, übertraf mancherorts die Vorstellungskraft auch langjährig erfahrener Vogelkundlerinnen und Vogelkundler: Bis in den späten Nachmittag hinein zogen Zehntausende von Kranichen nahezu ununterbrochen über Münster, das Ruhrgebiet, das Rheinland und schließlich das Saarland und Luxemburg hinweg. In Keilform überflogen die oft mehrere Hundert Vögel starken Trupps laut trompetend in Richtung der im Nordosten Frankreichs gelegenen Zwischenrastgebiete. Anhand der Karten in ornitho.de lassen sich sie Zugwege der Kraniche über Münster- und Rheinland sowie über das südliche Niedersachsen und Rheinhessen gut nachvollziehen.
Den „Kranich“ des Tages „schoss“ Siegfried Schneider aus Bochum ab: „Es war das größte Zugspektakel, das ich bisher gesehen habe, und ich verfolge die Frühjahrs- und Herbstzüge schon seit über zehn Jahren. In der Zeit von 10:30 bis 14:00 Uhr habe ich die einzelnen Kranichketten gezählt bzw. überschlagen. Der von mir gewählte Standort, an dem ich seit über zwei Monaten fast täglich Durchzugsbeobachtungen durchführe, war für die heutige Beobachtung so günstig, weil ich die ziehenden Ketten über Bochum-Mitte, Bochum-Querenburg und den Wittener Grenzbereich überblicken konnte. Nach meinen Zählungen waren es über 10.000 Kraniche, die allein in dieser Zugschneise über Nordrhein-Westfalen hinwegzogen. Es ist schier unglaublich, entspricht aber den Tatsachen!"
Wir freuen uns sehr, dass wir dieses Ereignis über ornitho.de und .lu festhalten konnten und wünschen allen Beobachterinnen und Beobachtern viele spannende Erlebnisse!
aufgegeben von Johannes Wahl
Samstag, 5. November 2011
technews
Über 1.000 angemeldete Personen!
Am 4. November abends konnten wir mit Francis Desjardins aus Frankreich bereits die 1.000ste Person bei ornitho.de bzw. ornitho.lu begrüßen. Damit haben sich innerhalb von nur 6 Tagen über 800 Personen neu angemeldet (vor der offiziellen Eröffnung am 30. Okt. waren bereits rund 200 Personen aktiv)! Mit einer solchen Resonanz hätten wir nie gerechnet. Das Resultat des großen Zuspruchs kann man an den Verbreitungskarten vieler Arten bereits ablesen, die sich zunehmend füllen und – wie man an den zahlreichen Anmeldungen aus anderen Ländern sehen kann – auf großes Interesse stoßen. Gerade für Beobachter aus südlich und westlich von uns gelegenen Ländern ist das Portal auf dem Wegzug und in den Wintermonaten eine gänzlich neue und spannende Informationsquelle, denn sie kündigen an, mit welchen Arten in den nächsten Tagen und Wochen besonders zu rechnen ist. Für Francis Dejardins war die Anmeldung bei ornitho.de übrigens in doppelter Hinsicht ein Glückstreffer: Er koordiniert die Kranicherfassungen in Frankreich und meldete sich just am Abend vor dem Massenabzug der Kraniche aus Deutschland an. Auch dank der französischen Sprachversion von ornitho.de waren er und seine Kollegen somit auf den spektakulären Einflug zehntausender Kraniche am Wochenende im Nordosten Frankreichs bestens vorbereitet.
Viele spannende Beobachtungen wünscht Ihnen das Team von ornitho.de
aufgegeben von Johannes Wahl
Sonntag, 30. Oktober 2011
technews
Ornitho.de gestartet!
Am 30. Oktober war es endlich soweit: Auf der DDA-Mitgliederversammlung drückten der Vorsitzende des DDA, Bernd Hälterlein, und die Projekt-Verantwortlichen, Christopher König und Johannes Wahl, den „roten Knopf“ und starteten ornitho.de. Damit begann für die avifaunistische Datensammlung in Deutschland und Luxemburg (das in Kooperation mit natur&ëmwelt abgedeckt wird) ein neues Zeitalter, denn noch nie war es komfortabler und attraktiver, Vogelbeobachtungen zu melden: Für die kartographische Verortung der Beobachtungen stehen wahlweise Luftbilder von GoogleMaps® oder Topographische Karten bis zum Maßstab 1:25.000 zur Verfügung, und die eigenen Beobachtungen stehen auf Verbreitungskarten sofort in einem Gesamtzusammenhang.
Ziel des vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) getragenen und von der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G), allen landesweiten Fachverbänden, vielen regionalen Arbeitsgemeinschaften, den Avifaunistischen Kommissionen sowie den Staatlichen Vogelschutzwarten und dem Bundesamt für Naturschutz unterstützten Portals ist es, vogelkundliche Beobachtungsdaten an einem Ort in standardisierter Weise zu sammeln, so dass sie für wissenschaftliche Auswertungen bereitgestellt und im Sinne des Naturschutzes eingesetzt werden können.
Durch ornitho.de werden Eingabe und Haltung von avifaunistischen Zufallsdaten in Deutschland vereinheitlicht, gleiches gilt für Ortsbezeichnungen, die von einem wachsenden Netzwerk von regionalen Koordinatoren vergeben werden, die bei fragwürdigen Beobachtungen auch mit den Meldern Rücksprache halten. Zudem sind die Avifaunistischen Kommissionen der Länder sowie die Deutsche Avifaunistische Kommission in die Arbeit eingebunden, so dass auch bei schwierig zu bestimmenden Arten eine qualifizierte Überprüfung der eingehenden Beobachtungen erfolgt.
Die begeisterte Annahme von ornitho-Portalen in anderen europäischen Ländern lässt erahnen, welche Fülle an qualifizierten Daten in Zukunft für wissenschaftliche Auswertungen sowie für den Naturschutz zur Verfügung stehen könnte.
Ornitho: Von Flensburg bis zur Stiefelspitze
Mit dem Start in Deutschland und Luxemburg erstreckt sich die ornitho-Familie jetzt von der Ostsee bis Sizilien und vom Atlantik bis zum Ebrodelta. Damit wurde eine wichtige Lücke in Mitteleuropa geschlossen, die bisher für viele – abgesehen von Seltenheiten – ein „schwarzes Loch“ war: Informationen zu bundesweit nicht dokumentationspflichtigen Beobachtungen waren bislang für Deutschland schlicht nicht verfügbar bzw. mussten mit großem Aufwand recherchiert werden. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist der Start von ornitho.de hoffentlich ein Aufbruch in ein neues Zeitalter. Die internationale Einbindung, die ein wesentliches Entscheidungskriterium zugunsten eines ornitho-Systems war, eröffnet vielfältige Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit, wie etwa die länderübergreifende Darstellung avifaunistischer Ereignisse, wie z.B. der sich derzeit vollziehende Einflug von Raufußbussarden.
Merci beaucoup, Gaëtan!
Als Gaëtan Delaloye vor gut 10 Jahren die Idee zur Entwicklung einer Plattform zum Austausch von Vogelbeobachtungen hatte, war die Vision bereits vorhanden, ein Portal zu schaffen, das weit über die Grenzen Genfs hinaus genutzt werden könnte. So wurde auch der Name „ornitho“ bewusst gewählt: Er ist leicht zu merken und in vielen Sprachen verständlich. Dass es letztendlich soweit kam, ist neben so manchem Zufall auch der seltenen Kombination eines begeisterten Vogelbeobachters und ausgebildeten Software-Ingenieurs mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zu verdanken. Wir freuen uns, dass wir nun auf ein so ausgereiftes System zurückgreifen können und bedanken uns ganz herzlich bei ihm für sein enormes Engagement, das weit über das bezahlte Maß hinausging: Merci beaucoup, Gaëtan!
Das Team von ornitho.de
aufgegeben von Johannes Wahl
Dienstag, 25. Oktober 2011
avinews
Alle Jahre wieder: Schelladler Tõnn durchquerte Deutschland unbemerkt
Wieder einmal ist es dem besenderten Schelladler Tõnn gelungen, sich den aufmerksamen Augen der deutschen Beobachter zu entziehen. Der Adler hielt sich in diesem Herbst nur kurz in Deutschland auf und hat das Land innerhalb weniger Tage wieder verlassen. Sein Weg führte diesmal nach dem Grenzübertritt in Schleswig-Holstein am 12.10. direkt weiter in Richtung Südwesten, wo er einen Tag später in der Nähe von Bremen geortet wurde. Anders als im letzten Jahr legte er daraufhin scheinbar keinen Stop in der Diepholzer Moorniederung ein, sondern wurde am 14. Oktober bei Gescher im Münsterland geortet. Bereits einen Tag später hatte ihn sein Zugweg über Eindhoven (NL) bis nach Belgien geführt. Hier gelang es den aufmerksamen Zugvogelbeobachtern gleich an zwei Stellen, den Schelladler Tõnn eindeutig zu identifizieren und sogar zu fotografieren. Die guten Wetterbedingungen begünstigten scheinbar seinen schnellen Weiterflug, sodass er am 16. Oktober ein Signal aus den französischen Ardennen sendete. Die aktuell letzte Ortung stammt vom 18.10. aus der Gegend um Nancy. Der „Phantom-Adler“ wird seinen Zug sicher in Kürze in sein Winterquartier in Südspanien fortsetzen. Hoffen wir also, dass Tõnn dort einen angenehmen Winter verbringt und uns im kommenden Frühjahr wieder mit einem Besuch in Deutschland beglückt. Bis dahin bleibt zu sagen: „Junge, komm bald wieder!“
Dass der Schelladler Tõnn in diesem Jahr sicher nicht mehr über Deutschland zu sehen sein wird, sollte jedoch niemanden von der immer spannenden Beobachtung von Zugvögeln abhalten. Es sind noch viele andere nicht weniger interessante Vögel unterwegs. Selbst wer unbedingt einen Schelladler entdecken möchte, sollte die Augen weiter gen Himmel richten: Im schwedischen Falsterbo sind seit dem Abzug von Tõnn bereits mindestens zwei weitere (unbesenderte) Schelladler durchgezogen…
Deutsche Avifaunistische Kommission bittet um Seltenheitsmeldungen 2010
Zu Beginn dieses Jahres hat die Deutsche Avifaunistische Kommission (DAK) als nationale Seltenheitenkommission die Geschäfte von der Deutschen Seltenheitenkommission (DSK) übernommen und sammelt, archiviert, prüft und publiziert nun dokumentierte Beobachtungen deutschlandweit seltener Vogelarten. Seit diesem Zeitpunkt ist die Kommission auch unter dem Dach des DDA angesiedelt.
Der erste Jahresbericht der Kommission über das Jahr 2010 ist in Arbeit und schon weit fortgeschritten. Es wurden bereits knapp 400 Meldungen aus dem Jahr 2010 bearbeitet, die durch die Länderkommissionen, die DSK oder die Melder direkt eingeschickt wurden.
Allen Meldern sowie den Kollegen aus den anderen Kommissionen sei hierfür schon einmal sehr herzlich gedankt.
Um ein möglichst vollständiges Bild des Auftretens seltener Vogelarten in Deutschland erhalten zu können, möchte die DAK hiermit, sofern noch nicht geschehen, um die Meldung und Dokumentation von deutschlandweit seltenen Vögeln (siehe auch die gekürzte Meldeliste auf www.dda-web.de/dak) aus dem Beobachtungsjahr 2010 bitten.
Aus Zeitgründen wird darum gebeten, die Meldungen (auch gerne per E-Mail) direkt an die DAK zu senden. Die eingehenden Meldungen werden in Kopie auch standardmäßig an die Landeskommission des entsprechenden Bundeslandes weitergeleitet.
Für den jetzigen Bericht werden nur Meldungen berücksichtigt werden können, die bis zum 15.11.2011 bei der DAK eingegangen sind.
Meldeadresse der DAK:
Deutsche Avifaunistische Kommission
c/o Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) e. V.
An den Speichern 4 a
48157 Münster
Trauerschnäpper könnten durch Besiedlung nördlicher Areale höheren Bruterfolg erzielen
Kann man Tieren bei der Anpassung an den Klimawandel helfen? Diese Frage stellt sich nicht nur für Arten, die nicht mobil genug sind, um ihren bevorzugten Klimabedingungen zu folgen. Selbst für Vögel könnte diese Frage interessant sein. Der Trauerschnäpper ist als eines der ersten „Opfer“ des Klimawandels berühmt geworden.
Bekanntermaßen kommt er mittlerweile zu spät aus seinem Winterquartier im tropischen Afrika zurück, um die Hauptverfügbarkeit von Raupen als Nahrung für seinen Nachwuchs nutzen zu können. Je weniger der Trauerschnäpper seine Rückkehr an das zeitigere Frühjahr anpasst, umso schlechter ist es um seinen Bruterfolg bestellt.
Nun stellt sich die Frage, ob diesem Problem Abhilfe geschaffen werden könnte. Tatsächlich wird der Brutbeginn von der Frühjahrstemperatur beeinflusst, so dass Populationen im hohen Norden später zu brüten beginnen als solche in Zentral- oder Südeuropa. Forscher aus den Niederlanden wollten dies nutzen, um zu testen, ob Tiere, die in Zentraleuropa früher brüten dies auch in Nordeuropa tun und damit einen besseren Bruterfolg haben als die örtlich angepassten Tiere. Daher verfrachteten sie Trauerschnäpper aus den Niederlanden nach Schweden und untersuchten den Bruterfolg der Neuankömmlinge.
Die Ergebnisse des Experiments zeigen, dass die niederländischen Trauerschnäpper auch in Schweden früher mit der Brut begannen als die einheimischen Vögel. Allerdings hatte das im vergleichsweise kalten Frühjahr 2010 keine Auswirkungen auf den Bruterfolg oder das Gewicht der Jungvögel, während sich die Nahrungszusammensetzung aufgrund der größeren Erfahrung der heimischen Trauerschnäpper von denen der Neuankömmlinge unterschied.
Dennoch erscheint in wärmeren Frühjahren ein Unterschied im Bruterfolg möglich. Die Ausbreitung des Trauerschnäppers über größere Strecken nach Norden könnte somit auch eine bessere Anpassung an die sich ändernden klimatischen Verhältnisse bedeuten und helfen, den Bestand des Trauerschnäppers zu erhalten.
Aber wird sich eine genügend schnelle Ausbreitung nach Norden auf natürliche Weise realisieren? Unter Umständen könnte eine Verlagerung (wie bei nordwestziehenden Populationen der Mönchsgrasmücke) oder Verkürzung der Zugwege zu einer besseren Anpassung an die geänderten Bedingungen führen. Die kontinuierliche Verschiebung von Artarealen nach Norden hingegen scheint laut wissenschaftlichen Studien für Vögel nicht ausreichend, um mit der raschen Verlagerung ihrer klimatischen „Gunsträume“ Schritt halten zu können.
Da die natürlichen Optionen mit einigen Unsicherheiten behaftet sind, stellt sich die Frage, ob die im Experiment durchgeführte künstliche Verfrachtung eine Möglichkeit böte, um dem Trauerschnäpper zu helfen. Bisher wurde die Verfrachtung von Arten zur Anpassung an den Klimawandel hauptsächlich bei Pflanzen diskutiert. Beim Trauerschnäpper müsste man bedenken, dass im Experiment weniger als die Hälfte der verfrachteten Tiere tatsächlich im neuen Gebiet zur Brut kamen und es bisher noch keinen Nachweis für einen gesteigerten Bruterfolg im Vergleich mit der einheimischen Population gibt.
Neben der Frage nach der Effizienz solcher Maßnahmen kann auch die Sinnhaftigkeit angezweifelt werden, da großflächige Umsiedlungen sicherlich wenig praktikabel und nur schwer finanzierbar wären. Zudem berücksichtigen solche Maßnahmen nicht die vielfältigen anderen Gefährdungsfaktoren, wie z.B. den Landnutzungswandel.
Vor diesem Hintergrund sind vielmehr integrierte Konzepte gefragt, die beispielsweise das Schutzgebiets-Netzwerk Natura2000 einbeziehen und die Landschaftsstrukturen sowohl für nach Norden wandernde Arten als auch für Arten, die durch klimaunabhängige Faktoren gefährdet sind, verbessern.
Quellen:
- DDA
- Both, C., Bouwhuis, S., Lessells, C.M. & Visser, M.E. (2001): Climate change and population declines in a long-distance migratory bird. Nature 441: 81-83.
- Menéndez, R., González Megías, A., Hill, J.K., Braschler, B., Willis, S.G., Collingham, Y., Fox, R., Roy, - D.B. & Thomas, C.D. (2006): Species richness changes lag behind climate change. Proc.R.Soc.B 273: 1465-1470.
- Burger, C. & Both, C. (2011): Translocation as a novel approach to study climate change related long distance dispersal. PLoS One 6: e18143. doi:10.1371/journal.pone.0018143
aufgegeben von Christopher König
Freitag, 14. Oktober 2011
avinews
Schelladler Tõnn erreicht Deutschland!
Der besenderte Schelladler Tõnn hat den Sprung nach Deutschland geschafft. Zuerst sah es ja so aus als würde der Adler die dänische Ostseeinsel Sjælland auf einer westlichen Route über die Insel Fyn verlassen, doch dann schlug er doch einen weiter nach Süden gerichteten Weg ein. Alles deutete auf eine Überquerung des Fehmarnbelts hin, doch dann hat der Vogel eine eher unerwartete Zugrichtung gen Westen eingeschlagen und erreichte Deutschland auf Höhe der Schleimündung bei Kappeln in Schleswig-Holstein. Von dort ging sein Zug schnell in südwestlicher Richtung bis in die Nähe von Stade in Niedersachsen. Alle Beobachter-Augen sollten daher heute und in den nächsten Tagen in den Himmel gerichtet werden, damit es vielleicht in diesem Jahr erstmals gelingt, den besenderten Adler auch vom Boden und nicht nur per Satellit aus dem Weltall in Deutschland zu entdecken. Wird es gelingen? Wir drücken allen Beobachtern die Daumen!
Durch Ihre tolle Mitarbeit bei ornitho.de sind mittlerweile mehr als 9800 Ortsbezeichnungen definiert. Dabei sind natürlich hier und da noch Fragen aufgetaucht, die wir bei der Erstellung der Anleitung anfangs nicht bedacht hatten. Aus diesem Grund haben wir die Anleitung noch einmal aktualisiert und ergänzt. Es werden vor allem neue Hinweise zur Vergabe und Bennenung der Ortsbezeichnungen gemacht.
Hier noch einmal die Links zur Koordinatoren-Anleitung:
Der European Bird Census Council (EBCC) hat einen neuen Bericht über die Lage der Vögel der Agrarlandschaft in Europa herausgegeben. Dieser zeigt, dass sich die Vogelbestände seit 1980 halbiert haben und auf das niedrigste Niveau seit Beginn der Datenreihe gesunken sind. Grundlage sind die Daten des pan-europäischen Brutvogelmonitorings (PECBMS), in das auch die Daten des Monitorings häufiger Brutvögel des DDA einfließen. Im PECBMS werden Daten zu 145 häufigen und weitverbreiteten Vogelarten aus 25 europäischen Ländern zwischen 1980 und 2009 zusammengefasst. Von allen untersuchten Arten sind die Vögel der Agrarlandschaft die Artengruppe, die von den Rückgängen am stärksten betroffen sind, bei der 20 von 36 in ihrem Bestand abnehmen.
Zu den Arten mit den stärksten Rückgängen im Zeitraum 1980–2009 zählen das Rebhuhn (-82%), die Feldlerche (-46%), der Bluthänfling (-62%) und die Grauammer (-66%). Die Situation hierzulande sieht nicht viel besser aus: Das Rebhuhn geht langfristig ebenfalls stark zurück, zur Abschätzung der tatsächlichen Gefährdung werden jedoch mehr Daten benötigt. Bluthänfling und Feldlerche zeigen kurz- wie langfristig negative bis stark negative Trends. Bei der Grauammer ist nach starken Zunahmen, v.a. in Ostdeutschland, der bundesweite Trend zumindest kurzfristig stabil, bei leicht ansteigender Tendenz.
Die Ergebnisse des PECBMS verdeutlichen, dass eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU dringend benötigt wird. Denn trotz einer geringeren Rückgangsrate in den letzten Jahren beweisen die aktuellen Daten, dass die Versuche, die Rückgänge zu stoppen, bislang gescheitert sind und in Zukunft sehr massive Anstrengungen nötig sein werden, um dieses Ziel zu erreichen. Es gibt auch Lösungsansätze, die nun aber von den politischen Entscheidungsträgern im Sinne einer echten „Grünen Reform“ umgesetzt werden müssen. Die ersten Vorschläge für eine GAP-Reform sollen im Oktober veröffentlicht werden.
Als EU-weites Politikinstrument hat die GAP sichtbare Auswirkungen auf die Landschaft. Bisher diente sie allerdings eher der Maximierung der Produktion während Belange der Umwelt und Biodiversität kaum berücksichtigt wurden. Die Naturschutzverbände fordern daher eine grundlegende Reform, die neben der Erzeugung von Nahrung, Energie und Produktionsstoffen auch die Erhaltung der natürlichen Vielfalt zum Ziel hat.
Doch die Hoffnungen auf eine echte „Grüne Reform“ scheinen sich bereits im Vorfeld zu zerschlagen: Es kursierten bereits Meldungen, wonach das Budget für die Förderung von Agrarumweltmaßnahmen gekürzt werden soll. Außerdem sollen die Pläne der EU vorsehen, dass die Mitgliedsstaaten Gelder aus Agrarumweltprogrammen für andere Zwecke umwidmen können. Das lässt befürchten, dass neben dem bereits verpassten 2010-Ziel auch das Ziel, den Biodiversitätsverlust bis 2020 zu stoppen, nicht erreicht werden kann. Die Integration des Biodiversitätsziels in die Agrarpolitik ist dabei essenziell, da gerade hier die Verluste an biologischer Vielfalt am größten sind.
Dabei verpflichtet sich die EU in ihrer euen Biodiversitätsstrategie, Rückgänge und Verluste bei Arten und Lebensräumen, die durch EU-Richtlinien geschützt sind, zu stoppen. Der Strategie haben auch die Mitgliedstaaten zugestimmt. Mit der Reform der GAP könnten somit Maßnahmen festgelegt werden, mit der die in der Strategie genannten Ziele auch tatsächlich erreicht werden können.
Quelle: Sven Trautmann (DDA) basierend auf einer Pressemitteilung des EBCC.